Mein Mann fehlt mir jeden Tag
Ich weiß gar nicht so richtig, wie ich anfangen soll.
Mein Mann ist vor gut einem Jahr gestorben. Es war plötzlich. Morgens war eigentlich noch alles normal. Er hat Kaffee getrunken, seine Jacke genommen und gesagt, dass er später noch einkaufen
wollte. Ich habe ihm noch gesagt, dass er bitte Milch mitbringen soll.
Diese Milch hat er nie mitgebracht.
Er hatte unterwegs einen Herzinfarkt. Ich bekam später einen Anruf, und ab da weiß ich vieles nur noch durcheinander. Krankenhaus, Polizei, meine Tochter, die ich anrufen musste. Ich weiß noch,
dass ich immer wieder gesagt habe: „Das kann nicht sein.“ Aber es war so.
Die ersten Tage habe ich kaum etwas gefühlt. Ich habe einfach nur funktioniert. Beerdigung, Papiere, Anrufe, Kleidung aussuchen. Ich hätte nie gedacht, dass man in so einer Situation so viele
Entscheidungen treffen muss. Welche Blumen. Welche Musik. Welche Worte. Dabei wollte ich nur, dass jemand sagt, dass alles ein Irrtum war.
Jetzt ist es ruhiger geworden. Aber nicht leichter. Jedenfalls nicht immer.
Am schlimmsten sind für mich die Abende. Tagsüber geht es irgendwie. Ich mache den Haushalt, gehe einkaufen, kümmere mich um Dinge. Aber abends sitzt niemand mehr auf seinem Platz. Sein Sessel
steht noch da. Ich habe lange überlegt, ob ich ihn wegstellen soll, aber ich kann es nicht. Es wäre, als würde ich ihn noch einmal weggeben.
Manchmal rede ich mit ihm. Ich erzähle ihm, was am Tag war. Ich weiß, dass das vielleicht komisch klingt, aber mir hilft es. Früher habe ich ihm auch alles erzählt. Warum soll das jetzt ganz
aufhören?
Viele sagen, ich sei stark. Das bin ich aber nicht. Ich habe nur keine andere Wahl. Ich stehe morgens auf, weil der Tag eben anfängt. Ich esse etwas, weil ich weiß, dass ich sonst schwach werde.
Ich lächle manchmal, weil Menschen es erwarten oder weil es in dem Moment wirklich kurz geht. Aber innerlich fehlt er mir immer.
Was ich besonders schwer finde: Für andere ist es irgendwann vorbei. Also nicht böse gemeint. Aber sie fragen weniger. Sie erzählen wieder normale Dinge. Für mich ist aber nichts normal. Ich lebe
nur inzwischen besser mit diesem Unnormalen.
Ich schreibe das hier, weil ich glaube, dass es anderen vielleicht ähnlich geht. Dass man nach außen irgendwie weitermacht und innen trotzdem noch oft am Anfang steht.
Mein Mann war 38 Jahre an meiner Seite. Das hört nicht einfach auf, nur weil er gestorben ist.
Elfriede, 57 Jahre

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Torsten Hartmeier (Dienstag, 26 Mai 2026 11:26)
„Mein Mann fehlt mir jeden Tag“
Vielen Dank, dass Sie Ihre Geschichte mit uns teilen.
Besonders berührt hat uns dieser Satz mit der Milch. Weil genau solche kleinen Dinge oft zeigen, wie plötzlich ein Leben auseinanderbrechen kann. Etwas Alltägliches bleibt offen. Ein kurzer Satz am Morgen, ein geplanter Einkauf, ein Platz am Abend, der auf einmal leer bleibt.
Man spürt in Ihren Worten sehr deutlich, dass Sie nicht einfach „weitermachen“, sondern dass Sie jeden Tag mit einer Wirklichkeit leben, die Sie sich nicht ausgesucht haben. Und ja, dieses „Du bist stark“ kann sehr schwer sein, wenn man sich selbst gar nicht stark fühlt, sondern nur irgendwie durch den Tag kommt.
Dass Sie noch mit Ihrem Mann sprechen, klingt für uns nicht komisch. Es klingt nach Verbindung. Nach Liebe, die nicht einfach aufhört, nur weil ein Mensch nicht mehr körperlich da ist.
Wir danken Ihnen sehr für Ihre offenen Worte. Vielleicht werden sich viele Menschen in genau diesem Gefühl wiederfinden: nach außen weiterzuleben und innerlich trotzdem noch oft an dem Punkt zu stehen, an dem alles anders wurde.